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Die Antwort für nachhaltig-effizienten Gemüseanbau!?

Am 13. und 14. Dezember 2019 hatte die Plattform „Solidarisch Landwirtschaft“ zusammen mit der ökologischen Landwirtschaftsberatung des „Oekozenter Pafendall“ und der „Lëtzebuerger Landjugend an Jongbaueren“ auf eine Konferenz mit anschließendem Weiterbildungsseminar zum Thema Mikrofarming eingeladen.

Die solidarische Landwirtschaft, anfangs belächelt, mittlerweile in Luxemburg auch auf der politischen Agenda angekommen, wird durch enorme Bemühungen seitens der Gründer der ersten Solawis und mit Hilfe der Plattform immer populärer.

Nachdem die Plattform „Solidarisch Landwirtschaft“ in den letzten Monaten beim Landwirtschaftsministerium und dem Umweltministerium vorstellig geworden war, um zusammen Lösungen zur Vereinfachung einer Gründung sogenannter Mikrofarmen auszuarbeiten, konnte eine große Konferenz sowie ein Weiterbildungsseminar, die dieses Thema aufgreifen, nur der nächste logische Schritt sein.

Ziel war es, mit einem bekannten Gesicht der Branche die Herausforderungen, die es bei der Gründung einer sogenannten Mikrofarm (+-0,5 ha) zu bewältigen gibt, der breiten Öffentlichkeit aufzuzeigen. Die Organisatoren der Konferenz konnten für diese Veranstaltung, die am 13. Dezember in Ettelbruck stattfand, keinen geringeren als Jean-Martin Fortier gewinnen. Fortier ist in Solawi-Kreisen weltbekannt und gilt bei vielen als Vorbild und Wegweiser. Sein Buch „The market gardener“ und seine Sendung „The Farmers“, die in Kanada ausgestrahlt wurde, haben inzwischen Kultstatus erreicht. Im Gemüsebau tätig setzt er sich in seinen Vorträgen für eine ökologische, menschenwürdige und nachhaltige Landwirtschaft ein, die zudem rentabel sein soll.

Durch seine lebendige motivierende Art fiel es J.- M. Fortier leicht, alle Besucher im vollbesetzten Festsaal der Ackerbauschule zu begeistern. In seinem Vortrag erläuterte er anhand seiner Erfahrungen auf der eigenen Mikrofarm alle Schritte, die es bei der Gründung zu bewältigen gibt und hob auch immer wieder die nachhaltigen Aspekte dieser Bewirtschaftungsform hervor. Ein weiterer Fokus lag auf der Rentabilität dieser Betriebe, denn alle nachhaltigen Projekte im Bereich der Lebensmittelproduktion gelingen nicht, wenn nicht für die eigene Familie gesorgt werden kann. Danach stand Herr Fortier den vielen Interssierten Rede und Antwort. Im Anschluss an die Konferenz konnte man das oben erwähnte Buch erwerben und vom Autor signieren lassen. Die Veranstaltung wurde bei einem Glas Wein, offriert vom LTA, ausklingen gelassen.

Am Samstag, den 14. Dezember waren es Annie-Claude Lauzon und Justine Chouinard (beide haben bei Fortier gelernt), die allen Anwesenden in 4 interssant gestalteten Workshops das Konzept einer Mikrofarm im Bereich Gemüseanbau näher brachten und alle Arbeitsschritte vorzüglich darstellten. Dieses Weiterbildungsseminar sollte Menschen erreichen, die sich berufen fühlen, selbst eine Mikrofarm zu gründen oder eine bestehende weiterzuentwickeln. Die Teilnehmerzahl war aus organisatorischen Gründen auf 40 Personen begrenzt, die eingegangen Anmeldungen, über 80 an der Zahl, zeigen aber, wie stark das Interesse ist. Die Teilnehmer kamen aus der gesamten Großregion nach Ettelbrück.

Die 4 Themenbereiche, die jeweils während 1,5 Stunden behandelt wurden, waren wie folgt gegliedert:

  • Marketing – wie,wo und wann verkaufe ich mein Gemüse
  • Anbauplan einer ganzen Saison
  • Arbeitsgeräte für kleinstrukturierte Betriebe
  • Aufbau einer effektiven Betriebsstruktur (anlegen und ausrichten der Teilflächen, Kompost, Gewächshaus,Bewässerung usw.)

Zusätzlich hatten die Teilnehemer in den Pausen jede Menge Zeit, sich unter Gleichgesinnten auszutauschen.

Wir freuen uns über den Erfolg und das enorme Interesse an der Veranstaltung und fühlen uns in unserer Motivation bekräftigt, die Plattform „Solidarisch Landwirtschaft“ weiter voranzutreiben. Bedauerlich war jedoch, dass aufgrund anderweitiger Verpflichtungen fast keine politischen Vertreter oder Beamten aus den verantwortlichen Instanzen an der Konferenz teilgenommen haben. Denn die hohe Teilnehmerzahl hat gezeigt, dass viele Menschen sich für diese alternative Form der Landwirtschaft begeistern. Die Motivation ist da, es fehlt nur noch der entscheidende Schritt sich zu trauen. Eine Vereinfachung der Gesetzgebung sowie eine kleine finanzielle Starthilfe würden den Schritt in eine eigenständige, nachhaltige Lebensmittelproduktion erleichtern.