Von Recycling- zu Ressourcenzentren: Wie kann Kreislaufwirtschaft in der Praxis gelingen?

Oekozenter Pafendall und der Mouvement Ecologique luden am 1. Juni 2022 zu einer geführten Besichtigung ins Recycling-Zentrum des Abfallsyndikats SIVEC nach Schifflingen und dem BENU Village nach Esch ein. Gezeigt wurde den rund 30 Teilnehmer:innen, wie vermeintlicher Abfall weiterverwendet und sogar in höherwertige Produkte umgewandelt werden kann.

Mit Vertreter:innen von Umweltverwaltung, Gemeinden, interkommunalen Abfall-Syndikaten, der Uni Lëtzebuerg und Nicht-Regierungsorganisationen, welche in der Zirkularwirtschaft tätig sind, fing die Besichtigung im Recycling-Zentrum SIVEC an. Unter Führung des zuständigen Leiters Patrick Falkenstein konnten sich die Besucher:innen überzeugen, dass es Akteure im Abfallbereich gibt, die bereits jetzt bestehende Recyclinghöfe in Ressourcen-Zentren umwandeln. Dies, obwohl derzeit noch völlig ungewiss ist, was die entsprechende Reglementierung überhaupt vorschreiben wird und ob sie noch vor den Wahlen 2023 kommt. So gelang es dem SIVEC in den Jahren 2016 – 2020 die Menge des Sperrmülls um 56 % zu verringern und immer mehr Stoffe einer neuen Nutzung hinzuzuführen. Tendenz steigend!

Erfolgsrezept Kooperation

Bereits vor einigen Jahren fing der SIVEC an, größere Mengen an wiederverwendbaren Materialien über eine Whatsapp-Gruppe in einem Netzwerk, bestehend aus verschiedenen Institutionen, Betrieben und Initiativen, zur Weiternutzung zu vermitteln. Es handelt sich dabei um über 100 verschiedene Akteure, Schulen, Jugendhäuser, Künstlerkollektive, Arbeitsinitiativen,….

An diesem Tisch werden wiederverwendbare Gegenstände aus dem vermeintlichen Abfall aussortiert

Diese soll in Zukunft durch eine professionellere Plattform ersetzt werden. Vor allem die konsequente Einbindung von  Verbraucher:innen und Zulieferern von lokalen/regionalen Arbeitsinitiativen (CIGL/CIGR) bedeutet, dass vermeintlicher Sperrmüll effizienter wiederverwendet wird.  Vor Ort befinden sich eine Second-Hand-Ecke und unzählige Container, die gezielt von ausgebildeten Arbeitskräften mit ausgewählten Materialien (wie Möbelstücke, Fahrräder…) für verschiedene Organisationen, Betriebe und Personen gefüllt werden.  So konnten in den letzten Jahren unzählige Containertransporte zur Müllverbrennungsanlage vermieden werden. Somit ist SIVEC auch schon einer von bislang nur zwei RAL-GZ 950 „Gold“-zertifizierten sogenannten „Rückkonsum-Zentren“ in Luxemburg (www.ral-gz950.com).

Ökodorf als Upcycling-Vorreiter

Der zweite Teil der Besichtigung führte zum BENU Village nach Esch: Dieses Ökodorf wurde nach den Regeln der sozial-ökologischen Kreislaufwirtschaft erbaut. Es umfasst eine Schneiderei, die Altkleider zu modischen neuwertigen Kleidungsstücken verwandelt,  eine Schreinerei, die alte Möbel restauriert/upcycelt und demnächst auch ein Restaurant, das Nahrungsmittel verwendet, die aus Supermärkten direkt auf dem Kompost oder in einer Biogasanlage gelandet wären („food rescue“). Alle Baumaterialien bestehen aus recycelten und upcycelten Materialien (wie Altcontainer, Fenster, Türen, Dämmung) oder natürlichen und kreislauffähigen Rohstoffen aus der Region wie Lehm und Miscanthus.

Der Gründer und Geschäftsleiter Georges Kieffer führte durch das BENU Village und erklärte den Besucher:innen, welches Umdenken das Projekt den beteiligten Architekt:innen, Handwerker:innen, Künstler:innen und anderen Haupt- und Ehrenamtlichen abverlangt; und dies, obwohl einige der angewandten Grundprinzipien und Techniken auf jahrtausendalte Traditionen zurückgehen (wie Lehmbau).

 

Georges Kieffer erklärt, wie er und sein Team es geschafft haben, die Infrastruktur mit ausschließlich wiederverwendbarem Material und fast ohne Beton zu bauen.

Abgerundet wurde die Besichtigung mit einer Gesprächsrunde, in der u.a. die neue Abfallgesetzgebung, weiter bestehende Probleme in der Abfallentsorgung und Ressourcennutzung und weitere pertinente Themen diskutiert und hinterfragt wurden. Dabei kamen auch Themen auf, wie die Praxis von Valorlux, das Recht auf Reparatur, die Förderung der Reparatur durch vereinzelte Instrumente sowie die Schaffung von einem Reparatur-Registers. Während es in der Praxis bereits vielerlei Ansätze und Lösungen gibt, wurde Ungeduld geäußert, dass reglementarisch in punkto Kreislaufwirtschaft und insbesondere der konkreten Ausrichtung der Ressourcen-Zentren noch vieles weiter in der Schwebe ist.

Bei einem offenen Austausch konnten die luxemburgische Planungen seitens der Regierung diskutiert werden