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Andere Wege der Nutzung von Ressourcen und des Wirtschaften

Das Oekozenter Pafendall und der Mouvement Ecologique luden gemeinsam im Rahmen ihres Projekts Rethink(*) auf eine Online-Veranstaltung zum Thema “ReUse-Repair-Share” ein.  Rund 80 interessierte Teilnehmer*innen nahmen daran teil, davon im Besonderen eine Reihe von Akteuren aus Gemeinden, der Abfallwirtschaft und des Handels, aus dem sozialwirtschaftlichen Bereich und von Initiativgruppen. Am Anfang des Abends ging Christophe Murroccu, nach einer kurzen inhaltlichen Einführung des Präsidenten des Oekozenters Pafendall Théid Faber, auf die wesentlichen Anregungen für Gemeinde und Staat im Handlungsfeld ReUse-Repair-Share ein, die im Rahmen des Projekts Rethink identifiziert wurden.

Sehen Sie hier die Veranstaltung im Replay:

Um Wiederholungen zu vermeiden verweisen wir an dieser Stelle auf die gesamte Broschüre des Projekts sowie eine kurze Zusammenfassung. Beide sind auf den Internet-Seiten www.meco.lu bzw. www.oekozenter.lu zu finden. Die Powerpoint-Folien finden Sie zudem in den Downloads)

Anschließend präsentierte Umweltministerin Carole Dieschbourg die aktuellen Planungen seitens der Luxemburger Regierung im Themenbereich Abfall- und Kreislaufwirtschaft – die neue Abfallgesetzgebung und die sogenannte Strategie “Null Offall”.  Auf europäischer Ebene gibt es  fünf Direktiven, die in Luxemburg in zwei größeren Gesetzespaketen (Cadre déchets (N° 7659), emballages (N° 7654), produits en plastiques à usage unique (N° 7656), DEEE (N° 7701), piles et accumulateurs (N° 7699)) sowie verschiedene großherzogliche Reglements implementiert werden.

Ministerin Carole Dieschbourg unterteilte ihren Vortrag in vier Schlüsselthematiken:“Eise Buedem, eis Bëscher an eis Gewässer besser schützen an notzen”: hierbei handelt es sich um Verbote in punkto Plastikbesteck, gefährliche Substanzen sowie der Verschmutzung der Böden und Gewässer u.a.m.

“Eis Saache besser notzen”: diese Thematik bezieht sich auf Einwegprodukte, Mikroplastik sowie Recycling-Zentren und Quoten. Die dritte betrifft Verpackungen, Plastikbecher sowie die Förderung für Mehrweg-Alternativen. Die letzte Schlüsselthematik schließlich setzt ihren Fokus auf den Gebäude(rück)bau.

Im Anschluss ging Gastreferent Matthias Neitsch (Re-Use- und Reparaturnetzwerk Österreich) auf die unterschiedlichen Aspekte des Handlungsbereichs “ReUse-Repair-Share-Kreislaufwitschaft” ein. Gleich zu Beginn betonte der Referent, die Kreislaufwirtschaft ließe sich nicht bloß auf Recycling reduzieren, sondern sei ein gesellschaftlicher Veränderungsprozess, der einen regelrechten Paradigmenwechsel beinhalte. Die Abfallwirtschaft spiele da sicherlich eine wichtige Rolle, stelle jedoch nur eine Stellschraube dar. Die wichtigste Herausforderung sei vielmehr eine neue Form des Miteinanders und des Wirtschaftens.

Anhand eines Flowcharts der globalen Stoffströme seit Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute, illustrierte Matthias Neitsch ihre Veränderung im Lauf der letzten 115 Jahre. Gemäß dem Referent müsse  – um in der Kreislaufwirtschaft erfolgreich zu sein – erstens die Zunahme des  sogenannten Lageraufbaues (Straßenbau, Infrastrukturen,…) gestoppt werden, zweitens die Durchflussgeschwindigkeit der Materialien und Produkte durch unser Wirtschaftssystem drastisch verlangsamt und drittens der Recyclinganteil erhöht werden. Wobei letztere Maßnahme nichts bringe, wenn der Gesamtstofffluss weiterwachse.

Matthias Neitsch verwirft auch ganz eindeutig die oftmals politisch erstellte Forderung nach mehr Wachstum, um sich z.B. einen effektiven Umweltschutz und die Erhaltung des Sozialstaats leisten zu können. Dem Referenten nach wäre nur die Kreislaufwirtschaft eine Lösung, bei der es sich um sehr enge Kreisläufe handele, da letztere aufgrund ihrer kurzen Umlaufzeit an der Nutzungsphase der Produkte, am besten seien. Recycling von Produkten wäre letztlich nur eine wenig optimale Lösung, da der Verarbeitungsprozess nicht ohne Qualitäts- und Mengenverluste auskomme. Laut Matthias Neitsch müsse Kreislaufwirtschaft in erster Linie durch eine erhöhte Nutzungsdauer von Produkten und einem geringeren Verbrauch definiert werden, was automatisch auch einen geringeren Ressourcenverbauch, weniger Abfälle, sowie – aufgrund u.a. verbesserter Reparaturmöglichkeiten – eine erhöhte Schaffung an Arbeitsplätzen bedeute.

Was den Bereich “Teilen” (sharing), anbelangt, sei es wichtig, dass gerade Initiativen in diesem Bereich stark auf kommunaler Ebene auf unterschiedliche Art und Weisen gefördert werden (Beispiel: Essbare Stadt – alle Grünflächen einer Kommune mit essbaren Pflanzen bepflanzen). Dieses Beispiel wäre leicht umzusetzen und würde zusätzlich ein ganz neues gemeinschaftliches Gefühl schaffen.

Das Thema “Wiederverwendung” wurde anhand beeindruckender Zahlen bezüglich der Abfallervermeidung, der möglichen Schaffung von Arbeitsplätzen und konkreten Resultaten  von ReUse Initativen  in Österreich und im Besonderen deren sozialen Aspekt dargestellt. Dies u.a. in den  im Aufbau befindlichen “Ressourcenparks” in Österreich, in denen Synergien zwischen Abfallwirtschaft und sozialwirtschaftlichen Aspekten (Führung des integrierten ReUse Shops) gemacht werden. Ein sehr wichtiger Bereich sei auch der Bausektor, der den abfallintensivsten Bereich darstelle. In diesem Kontext stellte Matthias Neitsch das Projekt “Baukarussel” vor, bei dem versucht wird, ReUse in den Bausektor zu fördern. So sollen hierbei nämlich ReUse-fähige Elemente (z.B. Holzbalken, Türen…) identifiziert und anschließend je nach Nachfrage weitergereicht werden.

Im letzten Teilbereich, dem “Reparieren”, unterstrich der Referent, dass der Wert der Repair Cafés, nicht unbedingt an der Menge der vermiedenen Abfälle zu messen wäre, sondern vielmehr am Gefühl gemeinschaftlich etwas zu bewegen. Dies wäre vor allem der Ansatz warum die Politik diese Initiativen noch viel mehr unterstützen müsse, wie z.B. durch die Akquise von Freiwilligen sowie Organisatoren*innen. Auf die Frage, wie sich der zivilgesellschaftliche Reparatursektor mit dem gewerblichen (Handel) vertrage, sei es so, dass diese sich eigentlich gegenseitig unterstützen könnten. Beispiel: dem Fall gesetzt ein Produkt ließe sich nicht mehr in einem Repair-Café reparieren, so verweisen die Verantwortliche des Repair-Cafés an die lokalen gewerblichen Betriebe. Umgekehrt, können gewerbliche Betriebe sich in Repair-Cafés engagieren, da solche Initiativen bei den Besuchern*innen die Hemmschwelle zur Reparatur senken können.

Im Anschluss an die Vorträge hatten alle Teilnehmer die Möglichkeit sich in einer offenen Fragerunde mit Carole Dieschbourg und Matthias Neitsch auszutauschen. Angesprochen wurde hierbei u.a. Reparierbarkeiten von Elektrogeräten, der Erfolg österreichischen Reparaturförderungen (Reparaturbon), Probleme der Entsorgung von behandeltem Holz, sowie dem Baurecycling, der Frage des wirtschaftlichen Wachstums u.a.m.